Seit dem Mittelalter hat sich die Trommelkunst in Basel nie einseitig im soldatischen Gebrauch verfestigt, sondern als ausformulierte Musik durch offene soziale Bindungen für vielfältige Zwecke verfeinert (Stadttambouren, Zunftspiele, Jubiläums- und Festspiele, Tänze usw.) Anfangs des 20. Jahrhunderts führte die Schaffung einer gängigen Notation durch Dr. Fritz Berger zur internationalen Beachtung des Basler Trommelns. Die gesellschaftliche Breite belegen schon 1712 ein Konzert mit 70 Trommlern, der Zug von Samuel Bell im Jahr 1833, aber vor allem die Tatsache, dass noch heute mehrere tausend Personen diese Musikform sorgfältig pflegen und weitervermitteln. Das Erlernen des Basler Trommelns, das zur Beherrschung der Grundelemente mehrere Jahre voraussetzt, wird in vielen Schulen vermittelt, welche vorwiegend von Gesellschaften der Basler Fasnacht geführt werden.
Das Basler Trommeln hat auch in anderen Kantonen zu einer Pflege dieser Musikform geführt, welche sich vom ordonnanzmässigen, militärischen Trommelschlagen stark unterscheidet und schon seit längerer Zeit auch in eidgenössischen Wettspielen zum Standard entwickelt hat.
Das Basler Trommeln wird allzu oft als Synonym der Basler Fasnacht verstanden. Es handelt sich jedoch um einen eigenständigen Musik-Genre, der bei internationalen und nationalen Drum-, Jazz- und Perkussions-Koryphäen schon lange höchste Beachtung findet: Eugene („Gene“) Krupa, der legendäre Weltmeister im schottischen Trommeln Jimmy Catherwood, Max Roach, Elvin Jones, aber auch Daniel Humair und Pierre Favre und eine noch stetig steigende Zahl weltweit bekannter Jazz- und Neue Musik-Perkussionisten. Die Basler Trommel (deren ältestes erhaltenes Exemplar von 1571 stammt), eine „Rührtrommel“ mit Schnarrsaiten auf dem Unterfell, wurde in der Folge ständig höherer Ansprüche der musikalischen Weiterentwicklung kontinuierlich und eigenständig perfektioniert und ist ein Vorbild auf dem internationalen Parkett.
Text von Felix Rudolf von Rohr